HALLO, 2021.

HALLO, 2021.

2020 war eine Herausforderung für Körper und Geist. Die Zwanzigerjahre haben erst gerade begonnen und da haben wir ihn schon – den Endboss mit der grossen 20 auf der verpickelten Stirn. Hand aufs Herz, es war ein einziger Murks. Noch ist mir nicht ganz klar, ob wir nun gerade gestärkt aus diesem Jahr herausmarschieren oder uns gerade noch so über die Schwelle ins Nächste schleifen. Die Grenzen verschwimmen da ein wenig.

Wie so ziemlich alle Jahre zuvor auch, war auch 2020 gespickt mit Themen, die alle Arten von Emotionen irgendwie abholen. So ähnlich, als würde man sich während dem Schnitt eines Hollywood-Streifen munter durch die Effekte-Bibliothek scrollen. In den nachfolgenden Abschnitten will ich ein paar Akzentpunkte setzen, die mich aktuell beschäftigen und die mich aus diesem Jahr in die Zukunft begleiten werden.

Corona

Das weltweit sicherlich dominierende Thema Nummero Uno in diesem Jahr – the Rona. Der Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 liess die Welt für einen Augenblick innehalten und durchatmen. Ich möchte die Krankheit und dessen Aus- resp. Nebenwirkungen auf keine Weise verharmlosen, jedoch hier auch nicht weiter thematisieren. Das wurde im Verlauf dieses Jahres schon mindestens 9731-Mal erfolgreich durch alle Kanäle gespült. Ich selbst sowie meine Frau waren im Herbst dann schliesslich auch infiziert und mussten die Infektion Zuhause aussitzen – auf jeden Fall keine lustige Angelegenheit, obwohl wir glücklicherweise milde Verläufe hatten. Auch im nahen Familien- sowie Bekanntenkreis «erwischte» es in der 2. Welle ebenfalls einige meiner nahen Mitmenschen, jedoch auch hier zum Glück mit allesamt milden Verläufen.

Die Pandemie-Situation brachte auch andere Steine ins Rollen, die ich interessant finde; die Präsenz von «Corona-Gegnern», die exsessive Arbeit im Home-Office sowie den punktuellen Druck um zu Digitalisieren.

Als Regierungen erste Lockdowns oder zumindest explizite Regelungen verhängten, wie z.B. Maskenpflicht oder Einschränkungen von Besucherzahlen in Geschäften, tauchten sie zum ersten Mal in meiner Wahrnehmung auf. Als Querdenker oder Corona-Leugner betitelt, rückten sie die neuen Regeln & Einschränkungen ins schwummrige Licht möglicher Verschwörungen und zimmerten sich ihre Weltanschauung so zusammen, wie sie gerade erträglich erschien.

Verrückt, als die erste «Anti-Corona-Demo» stattfand – ein richtig surreales Ereignis in der (meiner Ansicht nach) Dummheit, Unwissenheit und Ironie gleichermassen gipfelten. Natürlich kann man sich stets Fragen stellen, die mit «Was wäre wenn» beginnen und sich ein Szenario ausmalen in dem das eine oder andere Abstruse und Unvorstellbare Teil unseres Lebens ist. Solange es sich dabei um Gedankenspiele handelt und man seinen persönlichen Standpunkt dazu klar abzugrenzen vermag, habe ich damit auch keinerlei Probleme. Es schmerzt mich jedoch zu sehen, wie stark verkrümmte Anschauungen oder verdrehte Wahrheiten bei Menschen ab ungefähr 50 Jahren auf teilweise sehr nahrhaften Boden fallen. Gesprächsfragmente wie «da weiss man ja auch nicht genau was dahinter steht» oder «das passt denen doch jetzt gerade gut» werden plötzlich Teil unserer Gesprächen und Diskussionen. Darauf angemessen zu reagieren ist in manchen Fällen gar nicht so einfach, habe ich feststellen müssen. Einerseits will man sein Gegenüber vielleicht nicht zu extrem vor dem Kopf stossen und verletzen, jedoch trotzdem Position beziehen und darstellen, dass man diese Meinung/Ansicht (überhaupt) nicht teilt.

Von Zuhause aus arbeiten. Etwas was ich immer wollte, mir nie zutraute und den Schritt es einfach auszuprobieren nie wagte – bis Corona. Die Pandemie brachte uns nämlich dazu all diese Sorgen ausblenden zu müssen und uns diesen Versuch selbst aufzuerlegen. Man musste einfach das Beste daraus machen. Heute kenne sie alle – die Tücken des Arbeitens von Zuhause. Den «kurzen» Blick aufs Smartphone, die «nur noch schnell»-Angelegenheit, das Klingeln des Postboten und so weiter. Nachdem man seine eigene Schwächen jedoch kennt, hat man auch bessere Karten diese aktiv zu unterbinden und dagegenzuarbeiten. Diese Auseinandersetzung mit mir selbst empfand ich als sehr positiv und in diesem Sinne lehrreich. Ich gehöre somit zu den 90% von Menschen, die gemäss meiner soeben frei erfundenen Statistik, das Arbeiten aus dem Home-Office als festen Bestandteil in zukünftigen Beschäftigungen integrieren (oder besser: beibehalten) wollen. Das stetige, ja regelrecht exsessive, Arbeiten aus den eigenen vier Wänden führte aber auch zu einer Form von Vereinsamung. Viel geschieht da draussen. Digital ist man fast überall dabei, jedoch nirgends so richtig. Ein Leben durch das Fernglas. Es ist das Leben in der 2. Reihe.

Viel geschieht da draussen. Digital ist man fast überall dabei, jedoch nirgends so richtig. Ein Leben durch das Fernglas. Es ist das Leben in der 2. Reihe.

Die Auswirkungen der Pandemie auf Gesellschaft und Wirtschaft waren und sind noch heute stark wahrzunehmen. So führten nun manche Restaurants oder Geschäfte (finally) drahtlose Zahlungsoptionen ein, die sich vorher nicht dazu «überwinden» konnten. Lieferdienste ermöglichen nun bessere Abläufe beim Entgegennehmen von Paketen oder Briefen. Ja, aus der Not heraus wurden auch neue Ideen geboren. Es freut mich sehr zu sehen, dass nebst den negativen Auswirkungen auch immer viel Kreativität, Erfindergeist und Ideenreichtum vorhanden ist, die sich den auftauchenden Problemen mit frischen Lösungen annehmen. Um hier ein Beispiel zu nennen: der Disinfection-Ball (aktuell auf Kickstarter). Weiter so!

Habitpot

Am 10. August dieses Jahres war es soweit und meine iOS-App «habitpot» erblickte das Licht der digitalen Welt. Es ist ein tolles Gefühl, nicht nur über Monate intensiv an etwas zu arbeiten, sondern auch die Früchte der Arbeit in irgendeiner Form zu sehen. Es ist nach wie vor ein Herzensprojekt, denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir unseren Konsum viel bewusster erfahren müssen als das heute der Fall ist.

Gerade in den jungen Generationen habe ich das Gefühl, dass der teilweise masslose Konsum in Form von unnötigen Käufen und Anschaffungen teils extreme Züge annimmt. Zugegeben, kaum jemand ist hier unschuldig und ich will mich selbst nicht aus dieser Gleichung herausrechnen. Als ich jünger war und nach Abschluss der Ausbildung richtig Geld verdiente, war der Konsum ein sehr befriedigendes Gefühl und dank der Liquidität plötzlich möglich. Bei mir handelte es sich oftmals um unnötige Käufe von z.B. Elektroartikel, die ich nicht wirklich brauchte. In diesem Moment redete ich mir aber gekonnt ein, dass ich das bräuchte, um irgendwie glücklicher, ausgefüllter und befriedigt zu sein. In den letzten Jahren und nochmal speziell mit der globalen Präsenz von Greta wurde mir mein Verhalten immer bewusster. Ganz ehrlich: Die Masslosigkeit und meine Blindheit darin schockierten mich. Ich habe in der Vergangenheit diese Art von Käufen oder Anschaffungen kaum hinterfragt und weiterführende Gedanken eher vermieden, als mich damit auseinanderzusetzen. Ein Grund war vermutlich, dass ich instinktiv verhindern wollte, ein schlechtes Gewissen zu bekommen und das Gekaufte so nicht mehr «geniessen» zu können. Wie dem auch sei, lassen wir das vergangene erstmal ruhen. Aus den Gedanken heraus, bewusster Leben zu wollen ist 2019 zusammen mit meiner Frau die Idee zu habitpot entstanden. Die Erkenntnis, dass man einfach nicht immer alles perfekt umsetzen kann und auch Ausnahmen zur Entwicklung neuer Verhaltensweisen gehören, brachte uns auf die Idee eines kleinen Sparschwein-Apps. Die bekannte Analogie dazu ist das «Arschlochglas» – wenn geflucht wird, landet ein festgelegter Betrag in diesem Glas und Ende des Jahres macht man damit etwas Schönes.

Zwischen Sommer 19 und anfangs 2020 habe ich viel Zeit in die grundlegenden Konzepte investiert und mir Gedanken dazu gemacht, ob man das dann wirklich verwenden würde, wenn es denn so etwas gäbe. Ich sprach mit allerlei Menschen über die Idee und erhielt viel positives Feedback. Als ich dann die Chance sah, mir an diesem konkreten Beispiel auch gerade die Programmiersprache Swift beibringen zu können, legte ich einfach los. Nach etwa 2-3 Monaten stand die Basisversion der App, die ich bis zum Launch noch gefühlt 27mal komplett überarbeiten würde. Dank dem Feedback aus einer Alpha- sowie Beta-Testgruppe wurde das Projekt immer realer und greifbarer. Im August war es dann soweit und der Schalter wurde umgelegt. Wenn man sich hier etwas Spektakuläres vorstellt, liegt man definitiv falsch. Nach der Überprüfung von Apple erhält man eine E-Mail, die besagt, dass die App nun verfügbar ist. That’s it.

Nach diesem Moment begann dann eine andere, grosse Arbeit: Kommunikation. Ein kleines Content-Konzept für Social-Media musste her und die vorab an Bord geholten Kooperationspartner mussten zum richtigen Zeitpunkt nach und nach kontaktiert werden. Long story short(er): Hab es mir einfacher vorgestellt. Mittlerweile habe ich jedoch ein Gefühl bekommen können, was sich alles hinter dieser Art von «Öffentlichkeitsarbeit» verbirgt und wie herausfordernd das sein kann. Im Herbst startete ich dann erste Kontaktversuche zu so einigen Blogs und Magazinen, die sich im Dunstkreis Nachhaltigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und Social Startups aufhielten. Es war ein Versuch um bspw. mögliche Gastartikel oder -content anzubieten – die Rücklaufquote war nahe dem Nullpunkt. Das traf mich in meiner Begeisterung für das Thema schwerer als ich dachte und es machte sich auch ein wenig Enttäuschung breit. Irgendwie fällt es mir (auch heute noch) einigermassen schwer zu verstehen, weshalb 9/10 Personen hinter kleinerer Plattformen oder themengerichteter Blogs nicht einmal auf eine solche Anfrage reagieren und eine kurze Antwort zurücksenden.

Stand heute läuft es jedenfalls gut, die App wird immer wieder heruntergeladen, ein neuer Benutzer da und ein neuer Partner dort. Solange sich das so fortsetzt bin ich sehr zufrieden. Nach wie vor verfolge ich mit der habitpot-App keinerlei monitäre oder kommerzielle Ziele – wichtig ist mir hierbei nur die Mission: Einen Beitrag zur Transformation zu einer bewussteren Konsumgesellschaft zu leisten.

Mehr zu Habitpot erfährt man des übrigen hier.

Minimalismus

Im Herbst dieses Jahres bin ich u.a. auf Matt D’Avella aufmerksam geworden und habe dessen Content auf Youtube regelrecht verschlungen. Besonders die Themen Minimalismus, Gewohnheiten, Selbstentwicklung und Produktivität behandelt er relativ stark in seinen Videos. Dabei gibt er Einblicke in sein eigenes Leben und schildert, wie er begann seine Gewohnheiten zu reflektieren, hinterfragen und sein Leben entsprechend anzupassen. Diese Konzepte eines Lebens nach dem Motto «weniger ist mehr»  fiel in meiner aktuellen Lebensphase, in der ich mich dank Habitpot intensiv mit dem Thema Konsum auseinandersetzte, auf äusserst fruchtbaren Boden. Seitdem lässt mich das Thema nicht mehr los und ich beginne vieles in meinem Leben kritischer zu hinterfragen. Im Allgemeinen habe ich viel zum Thema gelesen und mir unzählige Videos von Youtube-Kanälen zu dem oder verwandten Themen angeschaut. Es fühlt sich plötzlich noch viel befreiender an, Dinge loszulassen und mich auf weniger, dafür wichtige Dinge zu fokussieren. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass mich u.a. das Thema Minimalismus sowie auch die Arbeit an den eigenen Gewohnheiten noch über eine lange Zeit beschäftigen werden. Nicht unbedingt da es Zeit braucht, um gewisse Konzepte in seinem Leben einzuführen, sondern weil ich grosse Begeisterung, Bewunderung und auch Leidenschaft verspüre, wenn ich mich damit beschäftige.

Tesla

Warum eigentlich? Ein Mann namens Elon Musk betritt die öffentliche Bühne dieser Welt. Er wird für seine «abstrusen» Ideen und Pläne viele über Jahre ausgelacht und von grossen Konzernen belächelt, die ihre Stellung über weit mehr als 50 Jahre aufgebaut und gefestigt haben. Durch konsequentes Neu-Denken und Hinterfragen löste er ihn der Automobilindustrie eine Revolution aus, die im wahrsten Sinne des Wortes kaum einen Stein auf dem anderen belassen wird. Eine unaufhaltsame Welle der Veränderung, die eine gesamte Industrie praktisch über Nacht mit riesigen Fragestellungen konfrontiert, die man nicht hatte kommen sehen wollen. Für die eingesessenen Unternehmen am Markt eine bedrückende Situation, die so manchen sicher hin- und wieder eine Nacht mit kaltem Angstschweiss beschert. Damit nicht genug, er baute quasi aus dem Nichts eine private Raumfahrtsgesellschaft auf die sich nun riesige Verträge bei NASA am Laufmeter angelt, mittlerweile Menschen ins All befördert und ganz nebenbei im Prototyping-Verfahren eine Marsfähre entwickelt. Lassen wir an dieser Stelle einmal die weiteren Unternehmen theboringcompany sowie Neuralink weg. Die letzten 7 Sätze müssten genug Erklärung dafür liefern, weshalb mich dieser Mann extrem fasziniert. Da ich hier in der Schweiz leider weder einen Fuss in der Raumfahrt noch einen direkten Bezug dazu habe, liegt mir das Thema Tesla definitiv am nächsten und ich beschäftige mich viel mit dessen Entwicklung und auch mit der Elektromobilität im Allgemeinen.

Die Tesla Community Schweiz, die ich seit 2018 begonnen habe auf Twitter aufzubauen, gedeiht und wird im kommenden Jahr 2021 einen grossen Schritt an die Öffentlichkeit machen, mit dem ich vor 3 Jahren sicherlich nicht gerechnet hätte. Darauf freue ich mich sehr und verrate an dieser Stelle nur, dass man (bei vorhandenem Interesse) tesla-community.ch im Auge behalten sollte. ⚡️

2o1n

Loosman – nach wie vor mit zwei O und einem N. Abschliessend möchte ich noch festhalten, dass sich diese Seite etwas verändert hat und mit meiner damaligen Webseite weblion.ch «fusionierte». Alles ist etwas anders und doch noch ziemlich gleich, schau dir doch einmal die Landingpage an – da habe ich mir ordentlich etwas aus den kreativen Daumen gesogen. 😂 Jetzt gibt es nur noch 2o1n.ch und das ist okay so. Es würde nichts nützen, wenn ich hier schreiben würde, dass ich mir fest vornehme nächstes Jahr öfter diesen Blog zu bedienen um meinen Mitteilungsdrang mit wohl gewählten Worten, stabilen Formulierungen und teils kecken Sprüchen zu befriedigen. Aus diesem Grund tu ich es auch nicht. Würde mich aber trotzdem freuen, wenn es klappen würde.

Tschüssli. 🙏🏻 (dies im Sinne des High-Fives)